Am Montag, 03. August 2026 trafen sich in Besigheim auf Einladung von Regierungspräsidentin Susanne Bay Teilnehmende aus Politik und Verwaltung zum ersten runden Tisch zur Neckarbrücke (Wehr- und Kanalbrücke) Besigheim. Ausgehend vom Status quo wurden erste Maßnahmen und nächste Schritte besprochen. Im September soll ein zweiter runder Tisch stattfinden. Regierungspräsidentin Susanne Bay begrüßte zunächst die Teilnehmenden des runden Tischs. Dieser war kurzfristig von ihr einberufen worden, um einen direkten Austausch zu ermöglichen. In ihrer Einführung betonte die Regierungspräsidentin, dass es alle Beteiligten brauche, die beim komplexen Ersatzneubau der Wehr- und Kanalbrücke (auch Neckarbrücke genannt) in Besigheim involviert sind: Das Regierungspräsidium Stuttgart (RPS) für die Planung des Ersatzneubaus und als Eigentümerin von zwei Brückenteilen, das Landratsamt (LRA) Ludwigsburg für das Verkehrskonzept und die Unterhaltung der Brücke, das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) als Eigentümerin des Brückenteils oberhalb des Wasserkraftwerks, die Neckar AG und die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) als Baulastträgerin und Betreiberin des Wasserkraftwerks sowie die Anrainerkommunen. Regierungspräsidentin Susanne Bay erklärte: „Durch die kurzfristige Sperrung der Neckarbrücke, die leider aus Sicherheitsgründen erforderlich wurde, hat die Belastung in der Region drastisch zugenommen. Die Situation ist sehr angespannt, die Menschen sind verärgert. Das ist uns allen bewusst. Wir werden alles dafür tun, um gemeinsam eine Planungsbeschleunigung und einen früheren Baubeginn vor 2030 hinzubekommen.“
Verkehrsministerin Nicole Razavi MdL erklärte anlässlich des runden Tischs: „Zustandsbedingte Sperrungen sind im Straßennetz grundsätzlich zu vermeiden. Leider ist beim Brückenzug in Besigheim nun der Fall eingetreten, dass der Zustand der Brücke eine Vollsperrung für Kraftfahrzeuge jeglicher Art erforderlich machte. Diese Entscheidung haben sich alle Beteiligten nicht leicht gemacht. Allerdings hat die Sicherheit der Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer oberste Priorität. Das Land ist sich seiner Verantwortung bewusst und arbeitet mit Hochdruck an einer Lösung. Hierbei werden wir auch innovative und kreative Ansätze verfolgen, um einen Ersatzneubau der Brücken so schnell wie möglich umzusetzen. Es ist daher erforderlich die Kräfte zu bündeln, damit alle Beteiligten an einem Strang ziehen.“
Landrat Dietmar Allgaier sagte: „Uns ist es wichtig, so schnell wie möglich für Entlastung in der Region zu sorgen. Alles was wir als Beitrag leisten können, werden wir tun. Wir versuchen hinsichtlich der Verkehrsführung die Belange der Kommunen zu berücksichtigen. Gleichwohl bitten wir um Verständnis, dass wir Verkehrsführungen durch die Sperrung der Neckarbrücke sowie durch weitere Maßnahmen in der Region immer im Gesamtkontext betrachten müssen.“ Das Landratsamt ist derzeit dabei, die Buslinien sowie die Schülerbeförderung rechtzeitig zum neuen Schuljahr an die aktuelle Verkehrssituation anzupassen. Darüber hinaus werden verschiedene Maßnahmen geprüft, um den Umleitungsverkehr bestmöglich zu entlasten, beispielsweise durch eine Optimierung der Ampelschaltungen.
Dr. Florian Bargmann für die Bürgermeister der betroffenen Kommunen: „Die Sperrung der Neckarbrücke in Besigheim, die für die Region eine sehr wichtige Verbindungsachse über den Neckar ist, führt zu großen Belastungen. Wir hoffen auf eine zügige Wiederöffnung für Pkws, wenn die Verkehrssicherheit es zulässt. Aufatmen können wir alle allerdings erst, wenn klar ist, dass der Ersatzneubau der Neckarbrücke früher und schneller kommt. Ein Baustart 2030 ist deutlich zu spät. Wir setzen darauf, dass alle Beteiligten ihr mögliches tun, um früher und schneller ins Ziel zu kommen und auch etwaige Mehrkosten durch innovative Bauweisen vom Baulastträger zugesagt werden.“ Das Nadelöhr befindet sich in Kirchheim am Neckar. Die Lichtsignalanlagen an der B 27 sind nicht für das heutige Verkehrsaufkommen ausgelegt. Bereits wenige Tage nach der Sperrung bildeten sich zu den Hauptverkehrszeiten sehr lange Rückstaus mit langen Wartezeiten. Hinzu kommen erhebliche Belastungen für den innerörtlichen Verkehr, den Schülerverkehr, Unternehmen sowie die Notfallversorgung der gesamten Raumschaft.
Die Abgeordneten Tobias Vogt MdL und Tayfun Tok MdL machten ebenso wie die Vertretung von Fabian Gramling MdB die Bedeutung der Neckarbrücke und die angespannte Situation in der Region klar: „Die Neckarbrücke ist eine bedeutende verkehrliche Lebensader in der Region. Die Sperrung trifft die Menschen hier hart. Es ist gut, dass wir mit dem runden Tisch ein entscheidungsfähiges Gremium haben, in dem gemeinsam und lösungsorientiert alles besprochen wird, was hilft, den Ersatzneubau der Neckarbrücke zu beschleunigen. Es braucht einen früheren Baubeginn und eine kürzere Bauzeit. Ein Baubeginn in 2030 und eine Fertigstellung in 2033 ist nicht hinnehmbar.“
Status quo
Klar ist, dass die 1952 mit spannungsrisskorrosionsgefährdetem Spannstahl errichtete Neckarbrücke im Zuge der L 1115 aus wirtschaftlichen und technischen Gründen nicht mehr saniert werden kann. Nachdem die Brücke bereits ab 19. Februar 2026 aufgrund von Brüchen in den Spannstahldrähten im Brückenteil oberhalb der Wasserkraftwerks abgelastet werden musste – und somit nur noch Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen sowie Bus- und Rettungsverkehr die Neckarbrücke nutzen durften – musste die Brücke ab 13. Juli 2026 aufgrund weiterer Brüche im Spannstahl oberhalb des Kraftwerks aus Sicherheitsgründen für den motorisierten Verkehr komplett gesperrt werden. Derzeit ist die Brücke nur für den Fuß- und Radverkehr nutzbar. Für den Busverkehr hatte das Landratsamt kurzfristig ein Umleitungskonzept veröffentlicht.
Derzeit lässt das WSA die Neckarbrücke untersuchen. Hierfür wurde der betroffene Brückenbereich am Kraftwerk geöffnet. Es soll so genau geprüft werden, wie stark die vom Brückenmonitoring detektierten Brüche die Sicherheit der Brücke beeinträchtigen und ob eine Öffnung für den Pkw-Verkehr wieder möglich ist. Die Ergebnisse sollen Anfang September vorliegen. Ziel aller Beteiligten ist es, Fahrzeugen bis 2,8 Tonnen wieder zu ermöglichen, die Brücke zu befahren, wenn die Verkehrssicherheit es zulässt. Um größere/schwerere Fahrzeuge daran zu hindern, die Brücke zu befahren, braucht es eine Höhenkontrolle. Ein Angebot für die Höhenkontrolle liegt dem LRA Ludwigsburg bereits vor. Die Beteiligten des runden Tischs verständigten sich darauf, diese bereits zu beauftragen und aufzubauen, damit sie schon einsatzbereit sind, falls die Brücke wieder geöffnet werden kann. Um die Verkehrssicherheit in diesem Fall auch weiterhin zu gewährleisten, bleibt die Neckarbrücke durch das installierte Monitoring rund um die Uhr überwacht.
Walter Braun, Leiter des WSA: „Sobald die Untersuchungen abgeschlossen und ausgewertet sind, werden wir uns so schnell wie möglich mit dem Regierungspräsidium und dem Landratsamt besprechen, wie es weitergehen kann. Auch nach einer Öffnung für Pkw – auf die wir alle hoffen – bleibt es bei einer Verkehrsführung auf Sicht, um auf etwaige weitere Brüche im Spannstahl aus Gründen der Verkehrssicherheit reagieren zu können.“
Aktueller Planungsstand und Ausblick
Die Ersatzneubauplanungen der Neckarbrücke als Brückenzug mit ihren drei Teilbauwerken sind äußert komplex. Planerisch zu berücksichtigen sind neben der Einbindung ins bestehende Straßennetz unter anderem die Wehranlage sowie das Kraftwerksgebäude und Teile der Kraftwerkstechnik. Derzeit befindet sich die Neckarbrücke im RPS in der Vorplanung, darauf folgt die Entwurfsplanung. Die Vorplanung ist bereits in Abstimmung mit dem WSA hinsichtlich deren Belange wie Zugang von der Brücke zur Schleuse und Auszug aus den Technikräumen unter der Brücke. Die künftigen Planungsschritte und das konkrete Vorgehen werden zwischen RPS, WSA und Neckar AG / EnBW abgestimmt.
In der Vorplanung wurden verschiedene Varianten für die neu zu bauenden Bauwerke erarbeitet und gegeneinander abgewogen. Das Kriterium „Bauzeit“ ist seit den ersten planerischen Schritten Ende 2021 maßgeblich in die Abwägung eingeflossen – Planung und auch Bau sollen so schnell wie möglich erfolgen. Daher wurden auch Lösungsvarianten untersucht, die aus vorgefertigten Trägern bestehen und einen hohen Vorfertigungsgrad aufweisen. Diese könnten mit Kränen direkt an Ort und Stelle eingehoben beziehungsweise vor Ort montiert werden. Da allen die Bedeutung der Neckarbrücke klar ist, prüfen nun die zuständigen Stellen, welchen Beitrag sie zu einer Planungs- und Baubeschleunigung leisten können. Aufgrund der komplexen Thematik ist eine Beschleunigung nur möglich, wenn alle an einem Strang ziehen.
Das Verkehrsministerium (VM) und das Regierungspräsidium machten klar, dass sie einen Baubeginn deutlich vor 2030 anstreben. Sie beraten daher gemeinsam, welche schnelleren Vergabe- und Bauverfahren hier möglich wären, beispielsweise durch eine funktionale Ausschreibung. Auch ein Schnellbauverfahren mit möglichst vielen vorgefertigten Bauteilen, soweit das für eine Brücke über den Neckar mit dieser Komplexität realisierbar ist, wird erneut geprüft.
Die Beteiligten vereinbarten, sich nach Vorliegen der Ergebnisse der WSA-Untersuchungen zu einem zweiten runden Tisch in dieser Besetzung zu treffen; voraussichtlich Ende September. Dort sollen auch Ansätze diskutiert werden, die zu einer Planungsbeschleunigung führen könnten. Außerdem werden weitere Besprechungen zwischen den Beteiligten auf Fachebene stattfinden, um die verschiedenen fachlichen Belange miteinander zu synchronisieren und so zur Planungsbeschleunigung beizutragen.
Hintergrundinformationen
Wehr- und Kanalbrücke (Neckarbrücke) Besigheim
Die Wehr- und Kanalbrücke in Besigheim, auch bekannt als Neckarbrücke, wurde in den 1950er-Jahren gebaut und wird täglich von mehr als 13.000 Fahrzeugen genutzt. Der Lkw-Anteil liegt bei etwa 4,2 Prozent. Aufgrund ihrer Bauweise als Spannbetonbrücke mit Spannstahl ist die Wehr- und Kanalbrücke anfällig gegenüber Spannungsrisskorrosion.
Die Brücke besteht aus drei Teilbauwerken. Das Teilbauwerk oberhalb des Wasserkraftwerks wird durch das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Neckar (WSA) verwaltet, die anderen beiden Teilbauwerke durch das Regierungspräsidium Stuttgart (RPS).